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Windsurfen bei den Olympischen Spielen: RS:X

Auch 2016 ist Windsurfen wieder Disziplin der Olympischen Spiele. Bereits seit 1984 (Damen: 1992) messen sich die besten Windsurfer der Welt bei den internationalen Wettkämpfen in der Disziplin RS:X - einem Race-Format bei Leicht- und Mittelwind, das sich durch einheitliche Boards und Segel für alle Teilnehmer auszeichnet. Über die Geschichte des RS:X und seine Bedeutung für die Olympischen Spiele erfahren Sie hier mehr.

Worum geht's? 

RS:X ist eine Windsurfdisziplin der ISAF (International Sailing Federation). Die Disziplin hat Ähnlichkeiten mit dem “Formula Windsurfing“ – in erster Linie deshalb weil das Material auf die Nutzung bei Leicht- und Mittelwind ausgerichtet ist.

Da es sich bei RS:X um eine “one design“ Klasse handelt – mit identischen Boards und Segeln – haben alle Athleten die gleichen Chancen im Wettkampf.

Wettkampfformate

Alle Teilnehmer umfahren so schnell wie möglich einen von Bojen markierten Kurs.

Olympiade

Bei den olympischen Wettkämpfen werden mehrere Rennen ausgetragen für deren Ergebnisse Punkte verteilt werden: Ein Punkt für den ersten Platz, zwei Punkte für den zweiten Rang, etc...

Nach zehn Rennen werden jeweils die Punkte des schlechtesten Rennens gestrichen, die übrigen Punkte zusammenaddiert. Die besten zehn Athleten treten dann in einem Rennen um die Medaillen erneut gegeneinander an. Hier wird die Punktanzahl verdoppelt, sodass der der/die Erstplazierte zwei Punkte, der/die Zweitplazierte vier Punkte erhält. Die Punktzahl nach den „Medal-Races“ legt die Plazierung fest: gewonnen hat derjenige/diejenige mit der geringsten Punktzahl.

RS:X Championships (weltweit, Europa, Jugend)

RS:X hat eine jährliche Meisterschaftsserie (www.rsxclass.com), bestehend aus Weltmeisterschaften, Europameisterschaften und den Jugend-Europameisterschaften (Unter 21).

Der Weltsegelverband, ISAF, hält seine eigene Weltmeisterschaft ab, den RS:X  World Cup. Weitere Informationen dazu gibt es hier: www.sailing.org/worldcup

Das RS:X Material

Das RS:X Material besteht aus einem Brett mit Schwert und einem Segel mit festgelegter Größe. Das Board misst 286 Zentimeter in der Länge und 93 Zentimeter in der Breite. Im Gegensatz zu Formulaboards ist es vergleichsweise schwer – mit 15,5 Kilo ist es fast doppelt so schwer wie die gängigen Wettkampf-Formulaboards, allerdings vergleichbar mit dem Gewicht von Raceboards wie dem olympischen Vorgängermodell Mistral One Design.

Den Teilnehmern stehen zwei Segelgrößen zur Verfügung. Männer nutzen ein Segel mit 9,5m2, Frauen und Jugendliche 8,5m2. Segel, Riggkomponenten und Brett wurden gemeinsam entwickelt und exakt aufeinander abgestimmt. Das Hightech-Segel wird mit Carbonmast und Gabelbaum verwendet.

Das RS:X Konzept ist ein Kompromiss aus traditionellen Raceboards, die in Windbereichen zwischen fünf und 35 Knoten funktionieren und Formula-Boards mit denen man von 12-30 Knoten Wind hohe Geschindigkeiten erreichen kann. Das Konzept hat seine Konkurrenzfähigkeit im Vergleich zu den Vorgängerkonzepten bereits unter Beweis gestellt und hat eine extrem große Windrange von drei bis 30 Knoten.

Für den Wettkampf-Nachwuchs wurde eine weitere one-desing Klasse ins Leben gerufen – RS:One. Diese erlaubt es jungen Athleten zwischen 14 und 20 Jahren unter exakt gleichen Bedingungen gegeneinander anzutreten, es wurde sogar eine internationale Wettkampfserie gestartet.

Geschichte

Windsurfen wurde von der International Sailing Federation (ISAF) für die Olympischen Spiele 1984 in Los Angeles für Männer erstmals als Disziplin ausgewählt. Später wurden auch die Frauenwettkämpfe in das olympischen Regattaprogramm für Barcelona (1992) aufgenommen. Seitdem wurden bei allen Olympischen Spielen Windsurf-Regatten für Männer und Frauen durchgeführt. Die Weltmeisterschafts-Premiere der RS:X Klasse fand am Gardasee (Italien) statt und hatte 244 Teilnehmer. Das komplette Material wird von NeilPryde kostenlos für die Olympischen Spiele zur Verfügung gestellt.

Internationaler Ansatz

Seit Beginn der Produktion 2005 wurden weltweit über 3000 Material-Sets in über 50 Ländern auf sechs Kontinenten verkauft. Was RS:X so attraktiv macht ist die Tatsache, dass nicht der Besitz des am weitesten entwickelten (und teuersten) Materials, sondern ausschließlich die Fähigkeiten der Athleten über den sportlichen Erfolg entscheiden. Das komplette Material wird von NeilPryde kostenlos für die Olympischen Spiele zur Verfügung gestellt.

Die One-Design Idee hat bis heute über 60 Nationen von sechs Kontinenten dazu ermutigt an den olympischen Windsurf-Wettbewerben teilzunehmen. Olympische Medaillen wurden bislang durch Athleten von fünf Kontinenten gewonnen, so standen – neben zahlreichen weiteren – Teilnehmer aus Fiji, Argentinien, China, USA und Polen auf den Siegerpodesten olympischer Windsurf-Regatten.

Jugend

Die RS:X Klasse ist aktiv in den Aufbau von Fahrerfeldern der U21, U19 und U17 Alterklassen involviert.

Mit der Bic Techno 293 Klasse, die vergleichbar mit der Optimisten -Klasse im Segelsport ist und aktuell vielen Jugendlichen den Weg in die olympische Windsurfklasse bereitet, wächst Windsurfen unter Jugendlichen in Ländern wie Indonesien, Peru, Argeninien und den USA derzeit stark.

Bedeutung für ärmere Länder

Windsurfen ist Teil des ”ISAF Connect to Sailing Programms” und arbeitet eng mit aufstrebenden Nationen zusammen um sicherzustellen, dass eine nationale Segel-Instanz Fehler vermeidet und Gelder dorthin delegiert, wo sie den größten Nutzen entfalten können.

RS:X one design Material wird von NeilPryde Windsurfing produziert und unterliegt strengen Kontrollen. Somit wird ein Investment in die Klasse für aufstrebende Nationen interessant, da sie sicher sein können, dass die besten Athleten gewinnen, nicht diejenigen mit dem meisten Geld. Bei den vergangenen sieben Olympischen Spielen konnten Athleten von fünf Kontinenten Medaillen gewinnen, was verdeutlicht, dass MNAs aller Länder tatsächlich die Chance haben an Wettkämpfen auf höchstem Niveau teilzunehmen.

2012 nahmen 54 Nationen an den Olympischen Qualifikationswettbewerben teil. Länder wie Kolumbien, Kuba, Ägypten, Guatemala, Iran, Jamaica, Oman, Peru und die Phillipinen haben jetzt ebenfalls Programme zur Förderung des Windsurfsports.

Ausblick Olympia und Stimmen aus der Szene

Bei ihrer Halbjahresversammlung im Mai 2012 entschied die international sailing association ISAF, dass das Kitesurfen neue olympische Disziplin werden solle. Es hätte das Windsurfen bei Olympia ersetzt.

Diese Entscheidung war jedoch nicht endgültig. Die finale Abstimmung sollte beim Annual General Meeting im November statt. So kam es, dass sich die gesamte Windsurfszene nach einem kurzen Schreckmoment im Mai gemeinsam dafür engagierte, Windsurfen als olympische Disziplin beizubehalten. Eine Petition wurde ins Leben gerufen und erhielt 15.000 Unterschriften. 

Am 10. November konnte aufgeatmet werden: Mit einer Mehrheit von 51% wählte die ISAF das Windsurfen. Das bedeutet, dass RS:X 2016 in Rio olympische Disziplin ist.

World of Windsurfing e.V. sprach mit zwei Größen der Windsurfszene über die Entscheidung und darüber, wie wettbewerbsfähig der Sport Windsurfen heute ist: Moana Delle ist mit dem fünften Platz bei den olympischen Spielen 2012 Deutschlands größtes olympisches Talent. Und Christoph Pressler ist ein „alter Hase“ der Branche, der seit Jahren im Profizirkus der Professional Windsurfers Assocociation (PWA) etabliert ist.

Windsurfen ist weiterhin olympisch – was bedeutet das für Sie, Frau Delle?

Moana Delle nimmt die Entscheidung zugunsten des Windsurfens erleichtert auf. „Ich freue mich sehr über die Entscheidung. Ich kann ‚meinen‘ Leistungssport weiterhin ausüben. Im nächsten Jahr muss ich mein Regatta- und Trainingsprogramm zugunsten meines Studiums etwas zurückschrauben, möchte aber dann voll in den Leistungssport zurückkehren“.

Wie es soweit kommen konnte, dass die Windsurfer um ihren Sport bangen mussten, ist ihr nicht ganz klar: „Hier kann ich nur vermuten… Ich glaube, es hatte weniger damit zu tun, Windsurfen aus dem olympischen Programm herauszunehmen, sondern vielmehr Kitesurfen als neue, attraktive, medienwirksame Sportart aufzunehmen und damit einem aktuellen Trend der Wasser-Board-Sportarten zu folgen. Die Anzahl der Segeldisziplinen bei den Olympischen Spielen ist begrenzt.“

Nach vorne gehen – und sich am Boardsport orientieren

Eine ähnliche Vermutung äußert auch Windsurfexperte Christoph Pressler: „Kitesurfen sieht bereits bei leichten Windbedingungen radikal und schnell aus, nichts klebt im Wasser. So kommt richtiges Boardsportfeeling rüber, für den Betrachter und offensichtlich auch für den Sportler selbst“.

Pressler geht einen Schritt weiter und ruft dazu auf, den Status Quo im RS:X zu überdenken. „Kitesurfen fordert das Windsurfen heraus, sich weiterzuentwickeln. Im Freestyle oder Waveriden haben die Windsurfer in den letzten Jahren bereits mächtig nachgelegt. Im Leichtwindracing (RS:X) ist da noch einiges drin: ein dünneres, leichteres Board kreieren, beispielsweise, die Kurse ändern und auch auf schnellen Raumwindkursen starten“.

Dem aktuellen RS:X Sport fehle es am Speed fürs Auge, erklärt Pressler. Zur Vermittlung von Spaß und Leichtigkeitseien Speed, Beschleunigung und auch Kurvenlage wichtige Faktoren.

Den Spaßfaktor erfolgreich vermitteln

Olympionikin Moana Delle und Boardsportler Christoph Pressler stimmen überein, dass das Oympische Windsurfen besser vermarket werden muss. Es müsse besser gezeigt werden, wie attraktiv das Windsurfen tatsächlich ist, meint Delle und Pressler schlägt vor, dass man hierfür erfolgreiche Windsurfer aus dem Boardsport gewinnen könne, zum

Beispiel dadurch, dass man sie am Olympischen Programm teilhaben lässt. „Man könnte Olympische Vorwettkämpfe vielleicht auch parallel zu Profiwettkämpfen stattfinden lassen. Ich denke, es wäre fruchtbar, das Funboardwindsurfen und das Olympische Windsurfen einander anzunähern“.

Mit der Entscheidung der ISAF ist die erste Hürde für den Windsurfsport genommen. Nun überlegt die Branche, wie es weitergeht. Auch nach 2016 scheint die wichtigste Aufgabe für Verantwortliche und Beteiligte, die Faszination des Sportes zeitgemäß zu vermitteln. Da das Olympische Windsurfen eine breite Basis mit starkem Nachwuchs hat, sind Moana Delle und Christoph Pressler zuversichtlich, dass dies gelingen wird.